HARDWARIO und DeltaVue: Satellitenüberwachung von Infrastruktur von arktischen Straßen bis zu brasilianischen Minen
Die CHESTER IoT-Plattform in Kombination mit Iridium-Satellitenkonnektivität überwacht Erosion und Hangstabilität an entlegenen Standorten, an denen Mobilfunknetze nicht verfügbar sind.
HARDWARIO hilft Unternehmen weltweit, Daten aus der physischen Welt in die Cloud zu übertragen. Das Unternehmen entwickelt robuste IoT-Hardware und Firmware, die für den industriellen Einsatz auch in Umgebungen geeignet ist, in denen herkömmliche Elektronik versagt. Die Plattform CHESTER ist so konzipiert, dass sie flexibel, programmierbar und langfristig zuverlässig im Feldeinsatz ist.
DeltaVue verbindet IoT-Geräte über einen sicheren Datenkanal und ein übersichtliches Dashboard mit der Satellitenkommunikation. Das Unternehmen ist offizieller Partner für die Entwicklung von Iridium Satellite-Technologien und hat sich auf die Überwachung in entlegenen Gebieten ohne Mobilfunkempfang spezialisiert.
Überwachung dort, wo das Mobilfunknetz endet
Im Rahmen eines kürzlich erteilten Auftrags der kanadischen Regierung hat DeltaVue einen innovativen Sensor entwickelt, der zur Überwachung der Erosion von Küsten und Flussufern sowie von Hängen und anderen sensiblen Bereichen entlang von Straßen und kritischer Infrastruktur dient. Die in diesem Projekt überwachten arktischen Fernstraßen spielen eine zentrale Rolle bei der Anbindung entlegener Gemeinden an Versorgungszentren.
Bei traditionellen Überwachungsmethoden hing die Datenerfassung von persönlichen Vor-Ort-Besuchen der Techniker ab, was Reisen über Hunderte bis Tausende von Kilometern in entlegene Standorte erforderte. Eine noch größere Herausforderung ist jedoch die Logistik von Wartung und Reparaturen.
Wie die gesamte Lösung funktioniert
Grundlage des Systems ist die Einheit CHESTER, die als Datenzentrale dient. Sie kommuniziert über Bluetooth mit der Einheit Iridium Edge Solar, die die Datenübertragung per Satellit gewährleistet.
Der Datenfluss verläuft wie folgt
- Sensoren messen Veränderungen im Gelände
- CHESTER erfasst die Daten und sendet sie über Bluetooth an die Satelliteneinheit
- Das Iridium-Netzwerk übermittelt die Nachricht in die Cloud-Umgebung
- Die Daten werden sicher in das DeltaVue-System übertragen, wo sie im Dashboard oder über eine API zur Verfügung stehen
Zu den eingesetzten Sensoren gehören Inklinometer zur Messung der Bodenneigung, Ultraschall-Entfernungsmesser zur Verfolgung von Distanzen und Erosionsveränderungen, Magnetschalter sowie weitere Sensoren, die über die 1-Wire-Schnittstelle angeschlossen sind.
Die Stromversorgung erfolgt über eine Kombination aus interner NiMH-Batterie (optimiert für extreme Kälte), externer Backup-Batterie und einem 5-W-Solarpanel. Das System ist so ausgelegt, dass es Monate arktischer Dunkelheit ohne Sonnenlicht überdauert.
Betrieb bei -48,8 °C
Während der Wintersaison wurde eine erfolgreiche Satellitenkommunikation bei einer Temperatur von -48,8 °C verzeichnet. Dies ist ein wesentlicher Meilenstein, da extreme Kälte häufig die Ursache für Ausfälle von Elektronik ist, insbesondere bei batteriebetriebenen Systemen.
Trotz dieser unglaublich rauen Bedingungen funktioniert die Hardware auch im Verlauf des Winters 2026 weiterhin einwandfrei.
Was würde ohne dieses System geschehen?
Ohne kontinuierliche Überwachung können Infrastrukturbetreiber erst dann reagieren, wenn der Schaden mit bloßem Auge sichtbar ist oder die Straße vollständig gesperrt werden muss. In entlegenen arktischen Gebieten, in denen weder Mobilfunknetz noch Wi-Fi verfügbar sind, stellt die Satellitenüberwachung die praktischste Möglichkeit dar, einen ständigen Überblick über die Situation zu behalten.
Die Sperrung einer arktischen Straße ist jedoch nicht nur ein technisches Problem. Sie kann kritische Versorgungsrouten unterbrechen, den Verkehr einschränken und erhebliche wirtschaftliche und sicherheitstechnische Auswirkungen nach sich ziehen.
Frühwarnungen vor Erosion oder Hangbewegungen, die durch Satellitentechnologien ermöglicht werden, erlauben es den Behörden, proaktiv zu handeln. Risiken können behoben werden, bevor es zu Havarien oder Unfällen kommt.
KI als nächster Schritt
DeltaVue arbeitet derzeit an einer Erweiterung des Systems um die Möglichkeit, Daten direkt über eine API in große Sprachmodelle (LLM) der künstlichen Intelligenz zu übertragen. Ziel ist es, eine intelligente Abfrage der Daten und eine fortgeschrittene Trendanalyse zu ermöglichen.
Das bedeutet, dass künftige Nutzer nicht nur Diagramme betrachten, sondern eine Frage stellen können wie: „Gab es an diesem Standort in den letzten drei Wochen einen ungewöhnlichen Neigungstrend?”, und das System antwortet auf Grundlage historischer Daten.
Von der Arktis zu den brasilianischen Minen
Auf Basis der Erfahrungen aus Kanada bereitet DeltaVue ein Pilotprojekt zur Überwachung der Hangstabilität für das Bergbauunternehmen Vale in Brasilien vor.
Das Prinzip ist ähnlich: Geringfügige Veränderungen in Neigung oder Bodenbewegung gehen üblicherweise großen Erdrutschen voraus. Können diese Signale rechtzeitig erkannt werden, lässt sich eine Katastrophe verhindern.
Die Umgebung ist jedoch eine andere - statt extremer Kälte herrschen hier hohe Temperaturen und starke Niederschläge. Die Anforderung an Robustheit und Flexibilität bleibt jedoch dieselbe.
„Die umfangreichen Sensorfähigkeiten der CHESTER-Einheit ermöglichen es DeltaVue in Kombination mit der globalen Reichweite des Iridium-Netzwerks, zuverlässige Daten aus den entlegensten Umgebungen zu liefern”, so das DeltaVue-Team.